Was ist Neuroorthopädie?Neuroorthopädie beschäftigt sich mit dem Erkennen, der Analyse, Behandlung, Rehabilitation und Prophylaxe von Auswirkungen neurogener Erkrankungen auf den Bewegungsapparat. Störungen des peripheren Nervensystems, wie neurogene Engpasssyndrome, Wurzelschäden durch Discusläsionen und Monoparesen führen zu relativ klar umgrenzten Funktions- und Formstörungen des Bewegungsapparates. Störungen des zentralen Neurons, cerebrale und spinale Bewegungsstörungen und neuromuskuläre Erkrankungen stellen komplexe Erkrankungen des Bewegungssystems dar. Kompensationsmechanismen entstehen in allen Ebenen der motorischen Einheit und werden von primären und sekundären Muskel-Skelett-Deformitäten überlagert. Während die Behandlung peripher-neurogener Bewegungserkrankungen in der Regel in orthopädischen Praxen und Abteilungen erfolgt, ist die orthopädische Behandlung zentraler Bewegungsstörungen aufgrund ihrer biomechanischen Komplexität und psychosozialen Dimension Zentren oder in Teams arbeitenden Ärzten mit neuroorthopädischer Erfahrung vorbehalten (derzeit vor allem in Wien-Speising, Innsbruck, Graz, Stolzalpe, Linz, Salzburg). Durch den Einfluss und die Synthese neurophysiologischer, entwicklungsbiologischer, psychischer, sozialer, funktionell anatomischer und biomechanischer Grundprinzipien stellt die Neuroorthopädie ein überaus komplexes Arbeitsgebiet im Sinne des klassischen Arztbildes dar. So wird zum Beispiel bei einem Kind mit cerebraler Bewegungsstörung das Entwicklungsuntersuchungsintervall von der Progredienz der neurogenen Störung, die Bewegungstherapie von sensomotorischen Fortschritten, die orthopädietechnische Versorgung von Alltagsaktivitäten und die invasive medikamentöse oder chirurgische Therapie von progredienten sekundären Störungen und der psychosozialen Situation abhängen. |

