Spitzenleistung: Zehe als Daumen-Ersatz

 

Einem jungen Patienten, dem einen Daumen fehlte, konnte geholfen werden:
Mit einem Autologen Zehen-Transfer. Nur ganz wenige Spezialisten in Österreich können diese komplexe Operation durchführen.

Auf der Kinderorthopädie im Orthopädischen Spital Speising werden häufig Fehlbildungen bei Kindern rekonstruiert. Manches ist Routine, anderes wiederum fällt in die Kategorie von seltenen, äußerst komplexen Eingriffen, die nur sehr spezialisierte und erfahrene Chirurgen durchführen können.

Ein solcher Fall ist der Gliedmaßen-Ersatz bei Symbrachydaktylie, einer schweren Handfehlbildung, die sich etwa darin äußert, dass eine Gliedmaße verkürzt ist oder fehlt. Bei einem 7-jährigen Burschen aus Syrien, der als Patient in Speising vorgestellt wurde, ist dies der Fall: ihm fehlte an einer Hand der Daumen.

Eigene Zehe wird transferiert und transplantiert

„Das beeinträchtigt den Alltag natürlich sehr stark, weil der Daumen für die Greiffunktion der Hand essentiell ist“, betont Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Sebastian Farr, Kinderhand-Experte im Orthopädischen Spital Speising.

Der in der Orthopädie gängige Ausweg ist hier der Transfer einer (eigenen) Zehe an die Hand, sodass diese die Funktion des Daumens übernehmen kann. Dr. Farr ist einer der ganz wenigen Spezialisten in Österreich, die diesen äußerst komplexen Eingriff beherrscht.

Hochkomplexe Operation

„Es handelt sich um eine hochsensible, rund sechs bis zehnstündige Operation“, erläutert der Handexperte. Bei der Operation sind zwei Ärzteteams im OP beschäftigt: Ein Team entnimmt die Zehe, das zweite Team bereitet die Hand vor und transplantiert dann die Zehe an die Hand. Der Eingriff ist sehr komplex, doch kann er durch die Versiertheit des Teams in Speising hochprofessionell durchgeführt werden

Farr: "Patient profitiert maßgeblich"

Auch wenn manche – Betroffene und Angehörige – vor dieser Methode anfangs zurückschrecken und eine ablehnende Haltung offenbaren, können die Menschen von dieser Vorgangsweise überzeugt werden: Der Patient profitiert maßgeblich von der Erlangung der Greiffunktion der Hand. Am Fuß, wiederum, ist die (üblicherweise zweite) Zehe funktionell nicht erforderlich. Das Abrollen beim Gehen ist auch mit vier Zehenstrahlen gut gewährleistet.

Im September steht beim jungen Mann eine zweite Operation bevor: Auch an der anderen Hand wird eine Zehe als Daumen implantiert. Wir wünschen dem Burschen, und seiner Familie, mit dieser gewonnenen neuen Lebensqualität alles Beste!

Dozent Farr mit dem jungen Patienten, Mutter und Schwesterchen: Mit dem neuen Daumen ist der Bursche wieder "griff-fest"